Frühstück mit Michael Soder (AK Wien) 

Nachbericht zum Wachstum im Wandel-Frühstück

Das vergangene Frühstück am 25.06.2026 um 8.30 Uhr im Café Ministerium fand mit dem Autor, Ökonom und Sozioökonom Michael Soder (AK Wien)  statt. Hier folgt ein Nachbericht von Christoph Müller.

Die Grüne Revolution als
radikaler Inkrementalismus 

Der Sozio-Ökonom Michael Soder stellte beim WiW-Frühstück am 25. Juni 2026 seine Bücher „Eine grüne Revolution. Eine neue Wirtschaftspolitik in Zeiten der Klimakrise“ (2024) sowie – darauf aufbauend – „Hitzige Debatten. Wie der Streit ums Klima unserer Gesellschaft spaltet und was wir dagegen tun können“ (2025) vor.

 Der Ecolomist, Vielschreiber und profunde Science Fiction Kenner – www.michaelsoder.com – arbeitet in der Abteilung Wirtschaftspolitik der AK Wien und ist Lehrbeauftragter an der WU, der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Campus Wien und der BfI Hochschule für Angewandte Wissenschaften Wien. Seine praxisorientierte Forschung, Lehre und Arbeit konzentriert sich auf die verschiedenen Aspekte, Instrumente und Voraussetzungen einer gerechten sozial-ökologische Transformation im Zusammenspiel von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik.

Michael Soder beobachtet seit vielen Jahren, dass es auf lokaler und regionaler Ebene bereits viele transformative Ansätze, Innovationen und Instrumente gibt, die aber nicht skaliert und auf die (trans)nationale oder internationale Ebene übersetzt werden. Er glaubt nicht an große, abstrakte und mit dem moralischen Zeigefinger vorgetragene Ideologien und Programme für mehr Umweltschutz, sondern plädiert für systemisch-pragmatische Lösungen im Sinne eines radikalen Inkrementalismus. 
 Mit Blick auf die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen bezeichnet Michael Soder die Sicherheit als zentralen Begriff und Sehnsucht der meisten Menschen. In dieser Situation sieht er zwei gleichermaßen nicht umsetzbare Strömungen: Einerseits das von populistischen Kräften formulierte Versprechen der Rückkehr in die bekannte, oft idealisierte Vergangenheit und andererseits die vor allem in aktivistischen Kreisen verbreitete Forderung nach der Abschaffung des Kapitalismus.

Ausgehend von der Frage „Warum tun wir im Kontext der vielbeschworenen sozial-ökologische Transformation nicht, was wir wissen?“, sieht er eine wesentliche Voraussetzung für die breite Akzeptanz transformativer Politiken, dass die (Verlust)Ängste und Befürchtungen der betroffenen Menschen und Gruppen ernst genommen werden. Der unmittelbar drohende kleine, konkrete persönliche Verlust wiege viel schwerer als der langfristige große Vorteil für die Gesellschaft. Das moralisch begründete Verbot der Bratwurst und der jederzeitigen Autofahrt werde mehrheitlich abgelehnt.

 Wichtig sei es über die konkreten persönlichen Vorteile zu kommunizieren. So sei seit langem festzustellen, dass sich familiengeführte Unternehmen viel stärker mit den Umständen und Voraussetzungen ihres langfristigen Geschäftserfolgs beschäftigen als Aktiengesellschaften. Diese Erfahrungen und Perspektiven sollten die Basis für eine klügere Kommunikation, positive Anreizstrukturen und intelligente Politiken und Gesetze sein. Michael Soder stellt  zutreffend fest, dass wir – im Gegensatz zu den ersten Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg oder in China seit den 1980er Jahren – (die) eine positive Modernisierungserzählung noch nicht gefunden haben. (Christoph Müller, Juli 2026)